Jobwunder Flughafenausbau

Wie die Politik lärmgeplagte Anwohner hinters Licht führt Hier die Hintergrundinfos auf REPORT MAINZ SWR vom Dienstag, 14.2. 21.45 Uhr Das Erste
100.000 neue Jobs als Gegenleistung für noch mehr Lärm! So lautet das gebetsmühlenartige Versprechen der Politik und der „Fraport“, dem Betreiber des Frankfurter Flughafens. Es ist eines ihrer zentralen Argumente im jahrzehntelangen Streit mit den Bürgern um eine neue Landebahn und noch mehr Flugbewegungen! Die meisten dieser Jobs sollen durch Firmenansiedlungen rund um den Flughafen entstehen. Doch „entstehen“ sie wirklich? REPORT MAINZ hat  die FRAPORT um aktuelle Zahlen gebeten und nachgeprüft. Wo sind Firmen, die bereits neue Jobs geschaffen haben? Das Ergebnis ist kläglich: Von 7000 angeblich neuen Jobs sind mehr als 5000 nur verlagert worden. Von einem Gewerbegebiet im Rhein-Main-Gebiet ins andere. Von Fluglärm geplagte Anwohner fühlen sich hinters Licht geführt. Derweil spricht Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier weiter vom Flughafen als „echten Jobbringer“. Und HIER die Sendung zum nachsehen.

Leserbrief  zur Sendung:

Die Flugverkehrswirtschaft behauptet seit mehr als zehn Jahren, das der Flugbetrieb die dreifache Menge an Arbeitsplätzen schaffe, als diese durch Zählungen (der an den Flughäfen tatsächlich beschäftigten Personen) belegbar sind! So werden bundesweit mal flugs 850.000 Beschäftigte durch den Luftverkehr behauptet. Nachprüfbare Fakten? Fehlanzeige. Selbst innerhalb der Branche scheint man bei der Arbeitsplatzstatistik ganz unterschiedliche Wege zu beschreiten, wie folgende Geschichte belegt, die ich selber bei einer Recherche dieser Frage in 2008 feststellen musste: Für das Jahr 2005 veröffentlichte die „Arbeitsgemeinschaft deutscher Verkehrsflughäfen (ADV)“ eine Gesamtzahl von 168.000 Beschäftigten an allen deutschen Flughäfen. Damit wollte sich jedoch die „Initiative Luftverkehr für Deutschland“ (ein unter der Schirmherrschaft des Bundesverkehrsministers stehender Zusammenschluß der Flughäfen München und Frankfurt und der Lufthansa) offenbar aber nicht zufrieden geben, denn man erhöhte dort die Zahl „direkter Arbeitsplätze“ kurzerhand um 115.000 Arbeitsplätze (das sind 68%!) auf 285.000 mit der schlichten Begründung, dass es sich um „unterschiedlichen Erhebungsansätze handele“. Diese Zahl wird dann mit Drei multipliziert und schon nähert sich die Branche der Eine-Million-Schallmauer und damit haben die Verkehrspolitiker dann den von Ihnen herbeigesehnten Grund zum Jubel: „Die Flugwirtschaft ist der Jobmotor der deutschen Wirtschaft!”
Dumm ist nur, dass solche Beschäftigungseffekte für deutsche Flughäfen noch nie nach (wissenschaftlich belastbaren) Kriterien untersucht bzw. nachgewiesen werden konnten

Helmut Schumacher, stv. Vorsitzender Lärmschutzgemeinschaft Flughafen Köln/Bonn e.V.

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