Der arme subventionierte Goldesel

Leserbrief zur Pressekampagne >>Lufthansa-Chef Christoph Franz: „Die Politik missbraucht uns als Goldesel“<< Quelle z.B. FAZ

Lieber armer Herr Christoph Franz,
liebe arme Lufthansa,
die Politik missbraucht sie als Goldesel? Weil Sie ein paar lumpige Euro als Luftverkehrsabgabe zahlen müssen? Die zahlen doch Ihre Kunden und nicht Sie! Lieber armer Herr Christoph Franz, Sie haben da etwas völlig falsch verstanden. Wir, die deutschen und europäischen Steuerzahler schenken – gezwungener Maßen – der Luftverkehrsbranche jedes Jahr 30 Mrd. Euro (dreißig Milliarden / 30.000.000.000.–) von unseren hart erarbeiteten Steuergeldern. Und zwar weil die Luftverkehrsbranche von der Energie- und Mehrwertsteuer befreit ist und somit subventioniert wird. Den Löwenanteil dieses Steuergeschenks, nämlich 12 Mrd. (12.000.000.000.-) Euro, bringen wir, also die deutschen Steuerzahler, auf. Alle anderen Verkehrsträger müssen diese Steuern zahlen, nur der Luftverkehr nicht. Als „Wachstumsmotor“, der die Luftverkehrsbranche nie gewesen ist, könnte ich mir diese 30 Mrd. Euro im Bildungswesen, im Gesundheitsbereich oder in der Pflege vorstellen. Hier wäre dieser Betrag sinnvoller und gewinnbringender angelegt, wobei Sie unter „Gewinn“ sicher etwas anderes verstehen. Mit einer Aussage haben Sie allerdings eindeutig Recht. Sie (die Luftverkehrsbranche) ist „Lärmquelle statt Wachstumsmotor“. Zu dem von Ihnen beklagten „Nachtflugverbot“, was Sie so sehr belastet, ist folgendes anzumerken:
Zahlreiche nationale und internationale Studien der letzten Jahren belegen einen dosisabhängigen, ursächlichen Zusammenhang zwischen Nachtfluglärm und bedeutend erhöhten Erkrankungsrisiken. Dazu zählen u.a. Bluthochdruck, Herz-/Kreislauferkrankungen, Herzinfarkt und weitere schwerwiegende Erkrankungen. Die im Raum Köln/Bonn entstandenen Greiser-Studien belegen einen Risikoanstieg schon ab einem nächtlichen Dauerschallpegel von 40 dB(A). Dieser Schwellenwert wird seit dem Jahr 2009 auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO)
propagiert. Zudem haben sich alle deutschen Lärmwirkungsforscher schon vor Jahren darauf festgelegt, dass spätestens bei 45 dB(A) ein erhöhtes Erkrankungsrisiko besteht.
Allein im Lärmbereich des Flughafens Köln/Bonn sind ca. 120.000 Anwohner diesen erhöhten Krankheitsrisiken ausgesetzt. Sie müssen das 10- bis 30-fache des von der WHO als gesundheitlich
unbedenklich geltenden Lärmwertes ertragen. Der Mensch braucht die Nacht für einen störungsfreien Schlaf, um zu regenerieren und seine Gesundheit zu erhalten! Gesundheit ist unser höchstes Gut. Nicht die wirtschaftlichen Interessen der Lufthansa, der Luftfahrtunternehmen, und der Flughäfen.

Hans Strawe, 53773 Hennef, 20.11.12

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